Die Erzinger Bergkapelle



Auf 500 Meter ü.M. steht die Erzinger Bergkapelle, die dem ganzen Bergrücken und auch dem Erzinger Wein den Namen gegeben hat.



An dieser exponierten Stelle direkt an der Grenze zur Schweiz stand schon früher ein altes Steinkreuz mit der Jahreszahl 1670. Hier an der Grenze führte der Verbindungsweg von Erzingen nach Ofteringen ins Wutachtal vorbei. An dieser Stelle sollte nach 1945 die Bergkapelle erbaut werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Südbaden zu französischem Besatzungsgebiet und auch in Erzingen wurden französische Soldaten einquartiert. Da kam im Mai 1945 von der Besatzungsmacht der Befehl, dass an der Grenze zur Schweiz ein fünf Kilometer breiter Streifen von der Bevölkerung geräumt werden müsste. Auch die Bewohner von Erzingen sollten ihren Ort verlassen. Die Angst war gross. Was hatten die Franzosen vor, was sollte aus Vieh und Feld werden, wohin sollte es gehen, kam man überhaupt wieder zurück? In dieser Lage versuchte man alles, um das Ungewisse abzuwenden. Die Bevölkerung des Ortes wollte ein Versprechen ablegen:

Wenn der Ort von der Evakuierung verschont bleibt, werde man eine Kapelle errichten.

Im Inneren der Kapelle ist die Urkunde mit diesem Gelübde angebracht. Mit �ber 200 Unterschriften haben die Familienvorstände des Ortes dieses Schriftstück bestötigt:

Maria, du Hilfe der Christen... ...wenn du uns jetzt vor dem Verlassen der Heimat bewahrest, (geloben wir), dass wir 20 Jahre jedes Jahr eine Prozession halten wollen, dass wir den Stationenweg wieder errichten wollen, dass wir eine Kapelle erbaiuen wollen.

Der Direktor der Seidenweberei Stehli, Dr. Sutter, nahm Verbindung mit der Schweizer Regierung in Bern auf. �ber die Schweizer Botschaft in Paris und über den päpstlichen Nuntius Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII, gelang es schlussendlich, die Evakuierung des Dorfes abzuwenden.

Im gleichen Jahr ging es los. Maurermeister Otto Indlekofer entwarf die Pläne für die Kapelle und hatte die Bauleitung. In dieser ersten Zeit nach dem Krieg war es äusserst schwierig Baumaterial zu beschaffen. Doch mit der tatkräftigen Hilfe des ganzen Ortes gelang es, das Vorhaben zu verwirklichen. Es entstand die Erzinger Bergkapelle, ein Kleinod und besinnlicher Platz mit weitem Blick über den Klettgau bis zu den Schweizer Alpen.

20 Jahre lang wurde in Erfüllung des Gelübdes im Sommer die Prozession zur Bergkapelle durchgeführt. Nun findet jedes Jahr im August ein Kapellentag statt, um der damaligen Situation zu gedenken.